SAM COOKE
Live At The Harlem Square Club
RCA 90454
Aufnahme: 1963, AAD
Laufzeit: 35'71"
Sam Cooke war der erste und wohl auch letzte Soulsänger, dem es gelang, ein weißes Publikum für mehr als eine Hitlänge zu erobern, ohne dabei seine Seele ze verkaufen. Seine größten Erfolge wie "What A Wonderful World" oder "Only Sixteen" waren zwar ohne Umschweife als Pop-Nummern konzipiert. Doch sein fest in den Wurzeln des Gospel verkankerter Gesangstil verlieh selbst textlichen Banalitäten einen Hauch von ewiger Wahrheit, die noch heute aus Jeans-Werbespots Kultfilme machen kann. Cookes herausragendstes Live-Albuem "At The Harlem Square Club, 1963" läßt jedoch keinen Zweifel daran, wo sich der bereits zum Crossover-Star avancierte Künstler am wohlsten fühlte: vor einem schwarzen Publikum, das die Interpretation eines Songs nicht als möglichst notengetreues Nachsingen einer vorgegebenen Melodie mißversteht. Selbst backfischgerechte Kompositionen aus dem Greatest-Hits-Katalog wie "Cupid" mutieren so zu fröhlich durchgeschwitzten Soul-Orgien ohne Rücksicht auf Jugendschutzgesetz und Vorstadtbürgertum.
Der Schwerpunkt der Show lieft auf schnellerem, tanzbarem Material - von "Feel It" über "Twistin' The Night Away" bis zum swingenden "Having A Party", das mit seinen ebenso einfachen wie wirkungsvollen Arrangements dazu beiträgt, den Club schon nach ein paar Takten in einen einzigen ekstatischen Backgroundchor zu verwandeln. Doch anders als seine ähnlich populären Nachfolger Otis Redding oder Wilson Pickett behält Cooke auch in den hitzigsten Momenten noch dieses gewisse Etwas an Reserve zurück, den hemmunglosen Sex in erotische Spannung verwandelt.
Dieses Talent beeindruckt auch nach 30 Jahren noch, in einer Zeit der live nicht reproduzierbaren musikalischen Kunstfiguren. Mindestens ebenso faszinierend ist seine weder gekünstelt noch gehemmt wirkende Art, aufs Publikum einzugehen. So entwickelt sich schon nach ein Paar Takten der Dialog zwischen Bühne und Zuschauerraum.
Cookes Qualitäten als Entertainer standen seinen Fähigkeiten als Sänger um nichts nach. Doch gerade seine Attraktivität, die ihn zum größten schwarzen Medienstar vor Michael Jackson hätte machen können, wurde ihm zum Verhängnis. Ein Jahr nach dem legendären Auftritt im Square Club wurde er in einem Motel niedergeschossen und dabei tödlich verletzt. Der Mörder? Vermutlich eine eifersüchtige
Liebhaberin
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Thomas Manfred
From Sounds Magazine, voted 82 in their 100 "Meilensteine"